Studium an der Wharton School of Business in Pennsylvania, Erfahrungen gesammelt bei Goldman-Sachs: Megha Mittal hat zwar keine Erfahrung in der Modebranche, aber sie gilt als geschäftstüchtig.

Studium an der Wharton School of Business in Pennsylvania, Erfahrungen gesammelt bei Goldman-Sachs: Megha Mittal hat zwar keine Erfahrung in der Modebranche, aber sie gilt als geschäftstüchtig.

Megha Mittal hat ihren Auftritt sichtlich genossen. Mit lauten Jubel und Klatschen, vereinzelt gar mit Freudentränen haben am Freitag die Beschäftigten des insolventen Modeartiklers Escada die 33-jährige Investoren auf einer Mitarbeiterversammlung am Stammsitz in München begrüßt. Die Inderin verspricht mit dem milliardenschweren Familienvermögen dem gebeutelten und heruntergewirtschafteten Unternehmen wieder eine Zukunft: Ihr Schwiegervater Lakshmi Mittal ist der reichste Inder der Welt.

Erfahrungen in der Modebranche hat Megha Mittal noch nicht, wohl aber ein Faible für Luxusartikel. Sie kennt Escada vor allem aus der Kundenperspektive und den Erinnerungen an die einstige Glanzzeit, als Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre Hollywood-Größen wie Kim Basinger oder Demi Moore die Mode der Münchener zur Schau trugen. Die hagere Inderin, die als treibende Kraft hinter der Übernahme Escadas durch einen Trust der Mittal-Familie steht, ist jedoch nicht zu unterschätzen: Sie gilt als geschäftstüchtig – und im Stahlreich der Familie als unterbeschäftigt.

Ihre beruflichen Meriten erwarb Megha Mittal bei der Investment-Bank Goldman-Sachs in den USA, zuvor erlernte sie ihr Handwerkszeug an der Wharton School of Business der Universität von Pennsylvania. Dort traf sie auch ihren späteren Mann Aditya, den Familienerben der indischen Stahldynastie und heutigen Finanzvorstand von ArcelorMittal Steel. Sie heirateten 1998 in Kalkutta – ausgerechnet im Victoria Memorial, der Gedenkstätte für die britische Königin. Mit Aditya hat sie inzwischen zwei Kinder. Er begleitete sich auch zu dem Auftritt in München.

Die Mittal-Familie lebt ansonsten seit Jahren eher zurückgezogen im Londoner Stadtteil Chelsea. Öf-fentliche Auftritte sind selten. Weder fallen die Mittals durch rauschende Familienfeste oder extravagante Ausflüge auf – beides in Indien durchaus üblich. Allenfalls zeigen sie sich in farbenprächtiger indischer Tracht anläßlich großzügiger Spenden, etwa für das Great Ormond Street Hospital in der britischen Hauptstadt. Hier unterstützt die Familie die nach ihr benannte Kinderklinik des Krankenhauses.

Große Änderungen bringt der Einstieg des Familien-Trusts der Mittals bei Escada nicht mit sich. Mit Megha Mittal, die den Vorsitz des Aufsichtsrats übernehmen wird, erhält vielmehr Bruno Sälzer die Chance, seinen Sanierungskurs fortzusetzen. Der einstige Chef von Hugo Boss war im Sommer vergangenen Jahres an die Spitze von Escada gerückt, um jahrelanges Missmanagement zu beenden und das zuletzt eher altbacken geratene Sortiment aufzufrischen. Das ist bislang nur teilweise gelungen.

Mittal unterstützt jedoch seinen Kurs, die Marke auch wieder einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und Kollektionen alltagstauglicher als bisher zu machen. „Unser wichtigstes Ziel ist zu garantieren, dass das bedeutende Erbe dieser weltbekannten Firma in eine sichere und erfolgreiche Zukunft übertragen wird“, sagte Mittal den Mitarbeitern. „Trotz der Schwierigkeiten in der letzten Zeit hat Escada das Potential, seinen Platz in der Welt der Luxus-Marken neu zu definieren, und zum Synonym für anspruchsvolle Qualität und Eleganz zu werden." Eine erfolgreiche Sanierung dürfte Megha Mittal helfen, sich von dem übermächtigen Schwiegervater zu emanzipieren.

Die Mittal-Familie ist mit dem Kauf kleiner Stahlwerke und deren Verbindung zu einem der global dominierenden Branchengiganten reich geworden. International hat es ihr weniger Respekt und Anerkennung als irritiertes Mißtrauen eingebracht. Das hatte auch der Kauf des Luxemburger Wettbewerbers Arcelor vor drei Jahren gezeigt. Diese Vorbehalte hat auch das nun im Bieterkampf um Escada unterlegene Konsortium um Sven Ley, den Sohn des Firmengründers, immer wieder strapaziert. Er reagierte eher beleidigt nach seiner Niederlage: „Angesichts des in unseren Augen schwierigen Ver-kaufsprozesses sind wir erstaunt über die nun recht vorschnell getroffene Entscheidung.“ Er hätte das bessere Konzept gehabt.

Doch für Insolvenzverwalter Christian Gerloff war es letztlich gleichgültig, ob die Mittal-Familie mit ihrem Engagement Reputation sucht oder durch Renditen gelockt wird: Er hat sich für den Investor mit dem deutlich größeren Geldpolster entschieden. Für ein insolventes Unternehmen sicher nicht die schlechteste Wahl.