Megha Mittal

Megha Mittal

Asien kauft sich ein in Europa. Nachdem im vergangenen Jahr der indische Autobauer Tata Jaguar übernommen hatte, wird mit jetzt Escada, Deutschlands einzige echte Luxusmarke in der Mode, indisch. So ist nun mal der Lauf der Globalisierung, insbesondere in der Krise. In Zukunft werden noch weitere indische oder chinesische Investoren herunter gewirtschaftete europäische Marken übernehmen und versuchen, sie neu aufzustellen.

Dass die Schwiegertochter des größten Stahlproduzenten der Welt aus Indien, Megha Mittal, den Zuschlag für eine exklusive Modemarke aus München bekommt, mutet allerdings seltsam an. Die Mittals haben keine Erfahrungen in der Textilbranche. Sie sind durch den Aufkauf und den Betrieb kleiner Stahlwerke groß und reich geworden. Das Gegenkonsortium mit dem Sohn des Escada-Gründers, Sven Ley, und dem Gucci- und Prada-erfahrenen Giacomo Santucci hat es nicht versäumt, diese Tatsache während des Bieterkampfes reichlich auszuschlachten.

Dennoch ist das Mode-Konsortium Ley/Santucci nicht zum Zuge gekommen – wahrscheinlich stand es seinem Erfolg durch die allzu selbstbewusste Vorgehensweise gegenüber dem Insolvenzverwalter letztlich wohl auch selbst im Wege.

Der Verdacht, dass Escada für die Mittals nicht mehr als ein Spielzeug oder ein Vehikel zur Steigerung ihrer gesellschaftlichen Anerkennung ist, liegt indes nahe. Die Familie wird mit Ausdauer und Ernsthaftigkeit beweisen müssen, dass dem nicht so ist, sondern dass sie der Marke tatsächlich zu altem Glanz zurück verhelfen will – zunächst vor allem durch Investitionen. Denn Escada fehlt es derzeit nicht so sehr an Konzepten, sondern vor allem am Geld, um diese Ideen umzusetzen.

Der Zuschlag für Mittal bedeutet, dass Escada bei der Sanierung keine Zeit verliert. Denn jetzt kann Konzernchef Bruno Sälzer sein Konzept fortsetzen. Vor über einem Jahr hatte er begonnen, den Großteil des Managements auszutauschen und die Marke - bei allen Superluxus-Ambitionen - vorsichtig auch für die etwas weniger zahlungskräftigen Kundinnen zu öffnen. In diesem Segment, in dem die Zweitmarke Escada Sport angesiedelt ist, sehen Marktkenner größere Wachstumschancen als in der absoluten Top-Liga. Erste Erfolge sind bereits zu erkennen. Das Gegen-Konsortium dagegen wollte Sälzer durch Santucci ersetzen und sich auf das oberste Premium-Segment konzentrieren.

Der Applaus, den Mitarbeiter Megha Mittal bei ihrem ersten Auftritt in der Zentrale spendeten, sollte die Investorin jedoch nicht all zu persönlich nehmen. Sie sollte ihn als Vertrauensvorschuss werten. Denn die Belegschaft ist zunächst einmal froh, dass es jetzt einen neuen Eigentümer gibt, der Escada schnell aus der Insolvenz herausholen kann.

Schließlich trübt nichts den Glanz einer Glamour-Marke wie Escada mehr als das hässliche Label „Insolvenz“.