
dpa
Otto und Quelle
Der Hamburger Versandhändler Otto sichert sich das Russlandgeschäft und die Markenrechte des pleite gegangenen Konkurrenten Quelle. Der Gläubiger-Ausschuss hat den Verkauf beschlossen. Otto übernimmt in Russland 280 Mitarbeiter; zu den verkauften Markenrechten gehören „Quelle“ und Eigenmarken wie „Privileg“ oder „Universum“ für die meisten Länder, dazu gehören auch deren Internet-Portale.
Die laufende Abwicklung von Quelle Deutschland wird durch den Abschluss nicht berührt. Für Quelle Österreich hatte Otto kein Angebot abgegeben. Einen Kaufpreis nannten weder Otto noch Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg. In der Branche ist von einem zweistelligen Millionenbetrag zu hören.
Quelle hat derzeit 17 Auslandsfirmen. Die russische und die österreichische Quelle sind die größten unter ihnen. Nicht Bestandteil des Verkaufs sind die Küchen-Quelle und Foto-Quelle sowie die Spezialversender und der Shoppingkanal HSE24. Für diese Firmen laufen die Investorengespräche weiter.
Quelle Russland erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von 170 Millionen Euro und hat Gewinn abgeworfen. Otto schaffte mit eigenen Gesellschaften in Russland bisher einen Jahresumsatz von 200 Millionen Euro und will durch die Neuerwerbung seine Position bei Mode und Heimtextilien stärken.
Russland gilt mit zweistelligen Wachstumsraten als einer der interessantesten Versand-Märkte in Europa. Bis Jahresende garantiert der Insolvenzverwalter noch die Belieferung von Quelle Russland über das zur Abwicklung anstehende Lager in Leipzig. Danach muss Otto die neue Tochter ins eigene Logistikkonzept einbinden. Unklar ist, was Otto mit den neuen Markenrechten plant.
Ein Otto-Sprecher sagte, dass Garantieansprüche für Kühlschränke oder Waschmaschinen von „Privileg“ nicht gegen Otto erhoben werden könnten. Der Sprecher stellte in Aussicht, Markenrechte für den österreichischen Markt abzugeben, falls sich ein Käufer für die dortige Gesellschaft findet.
Insolvenzverwalter Görg hatte vor gut zwei Wochen sein Verkaufs-Konzept ändern müssen, weil es ihm nicht gelungen war, einen Käufer für die gesamte Versandsparte des Essener Arcandor-Konzerns zu finden. Das marode Deutschland-Geschäft erwies sich als unverkäuflich.
Seither versuchte Görg, die Quelle-Auslandgesellschaften, die Spezialversender und den Shopping-Sender HSE24 einzeln zu verkaufen, um der Gläubigerversammlung am kommenden Mittwoch ein Konzept vorlegen zu können.
Erst am Wochenende hatte es nach Informationen von WELT ONLINE dabei einen neuen Rückschlag gegeben. Die seit vielen Monaten geführten Gespräche mit dem französischen Versender Redcats und seiner Marke La Redoute waren abgebrochen worden.
Redcats ist Teil der französischen Handelgruppe PPR zu der auch die Herzogenauracher Sportmodemarke Puma gehört, sowie Marken wie Yves Saint Laurent, Stella McCartney, Bottega Veneta oder die Medienkette Fnac. „Das wäre der perfekte Partner gewesen“, sagte eine Person, die mit den Verhandlungen vertraut ist.
Mit Redcats hatte schon der im Februar ausgeschiedene Chef der Quelle-Muttergesellschaft Arcandor, Thomas Middelhoff, verhandelt. Er hatte seinem Nachfolger Karl-Gerhard Eick indirekt vorgeworfen, diese Gespräche unmittelbar nach seiner Amtsübernahme Anfang März vorschnell abgebrochen zu haben.
Nach Informationen von WELT ONLINE war den Franzosen letztlich das Risiko zu hoch, die Quelle-Auslandstöchter zu übernehmen. Die Gesellschaften in Osteuropa werden weitgehend über das Lager in Leipzig beliefert. Diesen überdimensionierten Logistikstandort will der Insolvenzverwalter wegen der hohen Kosten aber so schnell wie möglich schließen.
Ohne die in Auflösung begriffene Quelle Deutschland bliebe dann nur noch die Zentrale der Quelle in Österreich als neue Basis für das Osteuropageschäft. Doch offenbar ist auch die noch zu groß. „Am Preis wäre es nicht gescheitert, es ging um das Risiko“, hieß es aus dem Verhandlungsumfeld.






















