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13 November 2010

Massenhaft mit Genmais verunreinigtes Saatgut ausgestreut

Stuttgart (dapd). Zwei Landwirte aus Baden-Württemberg haben - ebenso wie Kollegen in sechs weiteren Bundesländern - unwissentlich mit Genmais verunreinigtes Saatgut auf ihren Feldern ausgebracht. Ein großer Teil ihrer eingeplanten Erträge ist hinüber. Sie fürchten nun, dass sie nicht entschädigt werden, obwohl sie selbst keine Schuld trifft.


ddp

Landwirt Thomas Renschler hält am Donnerstag (11.11.10) in Stuttgart drei Maiskolben der Ernte 2010. Weil der Bauer unwissentlich mit Genmais verunreinigtes Saatgut auf seinen Feldern ausgebracht hat, musste er einen Teil seiner bereits eingesäten Maispflanzen vernichten.

Es war kein schönes Sommerwochenende Anfang vergangenen Juli für Thomas Renschler. Der Landwirt stand im Stuttgarter Stadtteil Weilimdorf schlecht gelaunt auf seinem Maisfeld. Das hatte er in kürzester Zeit dreimal bearbeiten müssen, er musste den wachsenden Mais niederhäckseln, mit Fräse und Hacke die Erde durchmischen und schließlich eine andere Maissorte als die bisherige einsäen. "Diesen Stress habe ich nur, weil die Mist gebaut haben", dachte sich Renschler. "Die", das sind aus seiner Sicht die verantwortlichen Behörden des Landes Niedersachsen.

Die Bundesländer hatten sich zwar selbst dazu verpflichtet, die Ergebnisse des Monitorings von gentechnisch verändertem Maissaatgut (GVO) bis Ende März dieses Jahres zu veröffentlichen, um verunreinigte Sorten vom Markt nehmen und deren Aussaat verhindern zu können. Doch das niedersächsische Landwirtschaftsministerium, das im Februar beim Buxtehuder Saatguthersteller Pioneer routinemäßig Stichproben entnommen hatte, informierte das Umweltministerium des Landes erst Ende April darüber, dass 0,03 Prozent einer Probe gentechnisch verunreinigt waren. Dabei hatte das Agrarministerium spätestens seit dem 12. April von dem Problem gewusst.

ddp

Doch die Ermittlung der betroffenen Landwirte, die bei Pioneer gekauft hatten, zog sich weiter hin, weil der Produzent sich weigerte, seine Vertriebswege für das Saatgut offen zu legen. "Wir hatten Ende April noch keine schriftlichen Testergebnisse", sagt Pioneer-Geschäftsführer Ulrich Schmidt. Seine Firma habe erst mit den Behörden den Sachverhalt aufklären und den Landwirten einen Umbruch des Feldes ersparen wollen. Erst nach einem Gerichtsbeschluss musste die Firma Anfang Juni die Händler auch in Baden-Württemberg benennen.

"Die Behörden haben geschlafen", empört sich Renschler, "die haben schon vor der Aussaat gewusst, dass das Saatgut verunreinigt ist, das Ergebnis aber lange in der Schublade liegen lassen." Zu lange, findet Renschler, der das Maissaatgut im Dezember 2009 bestellt und im März ausgeliefert bekommen hatte. Ende April säte der 54-Jährige aus, aber erst Mitte Juni forderte ihn das Ludwigsburger Landratsamt, das auch für die Stuttgarter Landwirte zuständig ist, dazu auf, den Pioneer-Mais zu vernichten. "Als ich zum Umbrechen meines Feldes verpflichtet wurde, war der Mais bereits 50 Zentimeter hoch", ärgert sich Renschler immer noch. 18 Prozent, fast ein Fünftel seiner Gesamternte waren hin, ein Schaden von mehr als 10.000 Euro.

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Andere Landwirte traf es noch härter. Milchviehhalter beispielsweise mussten große Maismengen vernichten, dann fehlte ihnen das Futter für die Tiere und damit die Existenzgrundlage. Zwar will Pioneer den betroffenen Bauern 1.800 Euro pro Hektar zahlen. Doch müssen die Geschädigten diese Soforthilfe möglicherweise zurückerstatten, sollte das Unternehmen in dem derzeit laufenden Verfahren nicht schuldig gesprochen werden. Dann wäre die Frage offen, wer haftet und die Landwirte entschädigt.

Einen wie Bernd Angelberger aus Bad Wimpfen im Landkreis Heilbronn etwa: "Mir fehlen fast 20.000 Euro, wenn Pioneer das Verfahren gewinnt und die Soforthilfe zurückfordert", klagt er. Erst am 24. Juni bekam Angelberger vom Landratsamt die Aufforderung, sein Feld umzubrechen, der Mais war bereits 1,50 Meter hoch und hätte nur noch reifen müssen. "Ich bekam zwei Wochen Zeit, die Aussaat zu vernichten."

Der 42-Jährige ärgert sich, dass er neben Ernteerträgen auch viel Zeit verloren hat. Er habe das Saatbeet hergerichtet, die verunreinigten Sorten ausgesät und sich um den Pflanzenschutz gekümmert. "Alles umsonst", sagt er. Dazu kämen die bürokratischen Scherereien: Verhandlungen mit dem Produzenten über eine Soforthilfe führen, Informationsveranstaltungen besuchen, Anträge ausfüllen: "Diese Zeit bekomme ich nicht entschädigt." Falls er die Soforthilfe an den Produzenten zurückzahlen müsste, solle die Politik die Entschädigung von 1.800 Euro pro Hektar übernehmen, fordert Angelberger. Die habe das "verbockt". Wenn weder Hersteller noch die Behörden für den Schaden aufkämen, "dann stehen wir Landwirte im Regen".

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Und nicht zuletzt: Die Landwirte können sich vor dem Bezug von gentechnisch verunreinigtem Mais kaum schützen. "Wir müssten noch mehr verschiedene Sorten pflanzen, damit im Schadensfall die betroffene Fläche nicht zu groß ist", sagt Renschler, "aber das ist auch keine Lösung." Und in Deutschland gibt es auch keine Toleranzgrenze wie beispielsweise in Österreich. "Bei uns darf unter 100.000 Körnchen nicht eines verändert sein", sagt Renschler. "Das kommt bei konventionellem Saatgut fast nie vor." Auch Angelberger fordert die Aufhebung der Null-Toleranz-Grenze: "Den Schaden hätte ich nicht gehabt, wenn es einen gültigen Grenzwert gegeben hätte."

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