Zivildienstleistender im Altenwohnheim

Zivildienstleistender im Altenwohnheim

Nach der von Union und FDP für 2011 geplanten Verkürzung des Wehr- und damit auch des Zivildienstes von neun auf sechs Monate bereitet sich der Paritätische Wohlfahrtverband auf den Ausstieg aus dem Zivildienst vor.

„Die Kürzung des Zivildienstes auf sechs Monate heißt, den Anfang vom Ende des Zivildienstes überhaupt einzuläuten, weil wir dann nicht mehr in der Lage sein werden, Zivildienstleistende noch vernünftig einzusetzen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Ulrich Schneider, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Unsere Mitgliedsorganisationen haben bereits signalisiert, dass sie die Stellen dann zurück geben und nicht mehr besetzen werden.“

Unter dem Dach des Wohlfahrtsverbandes arbeiten 500.000 Menschen, 15.000 davon sind Zivildienstleistende. Im Rettungsdienst dauere die Ausbildung auf den Fahrzeugen drei Monate. „Da bringen sechs Monate dann gar nichts mehr. Bei der Pflege, in Kindergärten oder der Arbeit mit Behinderten kann man es den Menschen einfach nicht zumuten, alle halbe Jahre die Bezugsperson zu wechseln.“ Auch den Einsatzstellen könne man nicht zumuten, stets neue Leute einarbeiten zu müssen. „Wenn man auf sechs Monate geht, dann ist der Zivildienst am Ende.“

Auch andere Wohlfahrts- und Sozialverbände rechnen damit, künftig kaum noch mit Wehrdienstverweigerern arbeiten zu können. „Da sich die Ausbildung zum Rettungssanitäter allein drei Monate dauert, lohnt sich die Investition nicht mehr", sagte Gabriele Thivissen vom Deutschen Roten Kreuz Nordrhein der "Süddeutschen Zeitung".

Betroffen ist laut der Zeitung auch die Behindertenbetreuung. Dort sind circa 1800 Wehrdienstverweigerer im Einsatz. Es werde „dramatische Einbrüche geben", schätzt Robert Anstetter von der Lebenshilfe, dem größten Hilfsverein für geistig behinderte Menschen. „Ich weiß nicht, wie wir die Lücke finanziell und personell auffängen können", sagte er der Zeitung.

Allerdings gebe es die Möglichkeit, den Verlust durch Freiwillige „zu kompensieren, wenn die Politik mitspielt“ und mehr Geld bereitstelle, sagte Hauptgeschäftsführer Schneider. So stehen den bundesweit 85.000 Zivildienstleistenden 2009 cirka 35.000 junge Menschen gegenüber, die ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr absolvieren. Die Zahl der Bewerber ist ungefähr doppelt so hoch. Die Stellen werden von Bund und Ländern finanziert; der Bund gibt in diesem Jahr 19,2 Millionen Euro.

Nach Auskunft des Wohlfahrtsverbandes müsste er 60 Millionen Euro jährlich zuschießen, damit das Loch, das die Zivildienstleistenden hinterlassen, gestopft werden könnte.

Für den neuen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist die verkürzte Wehrpflicht ungeachtet aller Folgen für das Sozialwesen eine sinnvolle Sache. „Auch die kürzere Wehrpflicht ab 2011 wird sinnvoll und nutzbringend bleiben“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Außerdem, so der Verteidigungsminister, werde sie zu mehr Wehrgerechtigkeit führen.