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Nicolas Sarkozy: Ein Präsident im Dauerlauf

Nicolas Sarkozy. Bild: AFP
Die Wirtschaftskrise kam, die Arbeitslosigkeit stieg und der umtriebige Mann, der in seinem Heimatland wegen seiner kleinen Statur und seiner hektischen Bewegungen als "Speedy Gonzales" bezeichnet wird, hat nur wenige seiner Versprechen durchsetzen können. Sein wichtigster Slogan im Wahlkampf 2007: "Mehr arbeiten um mehr zu verdienen". Der in Frankreich magische Begriff der "Kaufkraft" beherrschte die Debatten. Inzwischen aber höhnen die Franzosen, dass sie mehr arbeiten und weniger verdienen.
Die Krise der Banken hat die versprochenen lukrativen Zusatz-Jobs und großzügig entlohnte Überstunden hinfällig gemacht. Nun, wenige Wochen vor der Wahl, scheint Sarkozy durch das Land zu rennen und preist sich erneut als Präsident des Wandels an.
Sarkozy ist dann überzeugend, wenn er spontan sein kann
"In Deutschland hätte Sarkozy nicht einmal den Hauch einer Chance", sagt Henrik Uterwedde, Vize-Chef des deutsch-französischen Instituts in Ludwigsburg. "Der einzige Sarkozy ähnelnde Typ war früher einmal Außenminister Guido Westerwelle", so Uterwedde. Der Geisteswissenschaftler zeigt sich zugleich überrascht über den Erfolg des Präsidenten: "Sarkozy kann sich kaum beherrschen und läuft mit stetig unterdrückter Aggressivität durchs Land, er ist eigentlich kein präsidialer Typ."
Dabei hat Sarkozy viel für seine Auftritte getan. Vielleicht zu viel, bemängeln Kritiker in der französischen Presse. Sarkozy ist immer dann überzeugend, wenn er spontan mit den Menschen reden kann, wenn er über Themen wie zum Beispiel Europa spricht, die ihm persönlich tatsächlich am Herzen liegen. Nun aber ist er "über-coacht" - häufig wirken seine Sätze wie auswendig gelernt. Seine ausladende Körpersprache hat auch schon Bundeskanzlerin Angela Merkel mehrfach aus der Bahn geworfen: Sarkozy ist es gewöhnt, seine Gesprächspartner am Arm zu fassen, ihnen auf die Hände zu klopfen und überhaupt körperlich recht nahe zu rücken. Sarkozy, so beschrieb es einmal der Pariser Korrespondent der britischen Tageszeitung "The Independent", wirke auf ihn wie ein "ungeduldiges, zehnjähriges Kind".
Unbeherrschte Auftritte sorgen immer wieder für Kritik
Tatsächlich verlor Sarkozy in den vergangen Jahren einige Male die Beherrschung. Zum Beispiel, als er auf der immer noch sehr einflussreichen Konferenz der französischen Bauern einen Zuschauer als "sale con" beschimpfte - als "schmutzigen Idioten". Im Wahlkampf 2007 sagte er martialisch, er werde die Vorstädte, in denen soziale Unruhen herrschten, mit dem "Hochdruckreiniger" bearbeiten. Auch in seinen morgendlichen Ministerkonferenzen soll Sarkozy einige Male die Beherrschung und damit auch einige Mitstreiter verloren haben.
Beim Wahlkampf 2007 aber haben die Franzosen genau das von ihm erwartet - ein frischer, unbekümmerter Präsident zu sein, der alles anders machen wollte als seine Vorgänger. Schließlich hatte damals Jacques Chirac mehr als zehn Jahre lang regiert. Der elitäre Mittsiebziger mit seinen einflussreichen Freunden verkörperte für viele Wähler den elitären Stillstand der konservativen Partei. Sarkozy kam mit einem neuen Programm, er holte auch Persönlichkeiten aus der Opposition in sein Kabinett und versprach eine neue Republik. Aber in der Krise wollten die Franzosen jemanden, der ihren Wohlstand bewahrt.
Und da hat Sarkozy aus ihrer Sicht mehrfach versagt: Die Arbeitslosigkeit ist so hoch wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr, Frankreich verlor das von ihm zuvor so beschworene Rating Triple-A und die Kaufkraft der Franzosen ist gesunken. Nun versucht Sarkozy, sich dennoch als Führer in der Krise zu behaupten, als einen verlässlichen Präsidenten im Gegensatz zu den "linken Flauseln" seines Konkurrenten Francois Hollande. Die Aura des Neuanfangs ist verflogen. Sarkozy bleibt aber nach wie vor unberechenbar. Über Nacht drohte er plötzlich damit, aus dem europäischen Schengen-Abkommen auszusteigen. Sprach er sich vor zwei Jahren noch für die Ehe von homosexuellen Paaren aus, stellt er sich heute dagegen.
Wählerfang mit drastischen Forderungen
Zwar hat der zweifach geschiedene Sarkozy in Wahrheit sicherlich gesellschaftlich modernere Überzeugungen als sein Vorgänger Jacques Chirac - aber im Wahlkampf hat er sich dazu entschieden, konservative und rechte Wähler überzeugen zu wollen. So verspricht er zum Beispiel ein Referendum darüber, ob Arbeitslose, die eine Fortbildung ablehnen, weiterhin staatliche Unterstützung beziehen sollen. Ein populistischer Vorschlag. Aber Sarkozy weiß, dass er nur noch mit drastischen Forderungen enttäuschte Wähler zurückgewinnen kann. Sarkozy ist vor allem ein politischer Stratege. Und das Rennen um den Elysée-Palast hat er noch lange nicht aufgegeben.
Auch ein zweites Ziel hat Sarkozy verfehlt und damit viel Platz für Konkurrenten gelassen: Während der ersten Finanzkrise 2008 versprach er, das Top-Rating von Frankreich "mit allen Mitteln" zu verteidigen. Damals erschien es dem konservativen Politiker offenbar unmöglich, dass die zweitstärkste Wirtschaftskraft Europas herabgestuft werden könne. Inzwischen haben die Rating-Agenturen die Bonitäts-Aussichten fast aller EU-Staaten als negativ eingestuft und Frankreich steht kurz davor, seine hohe Kreditwürdigkeit zu verlieren. So hat Sarkozy gerade auf dem Feld der Wirtschaftspolitik, das in Krisenzeiten zu den wichtigsten Sorgen der Bürger avancierte, seine Versprechen gebrochen.
Frankreich vor Wahl: Wer macht das Rennen?
Die Kandidaten im Überblick:
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