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9 August 2012
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Menschenrechtler verurteilen Jungfräulichkeitstests im Irak



Menschenrechtler verurteilen Jungfräulichkeitstests im Irak (© Bild: afp)
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Bagdad, 25. Juli (AFP) - Im Irak müssen sich viele Frauen tagtäglich einer erniedrigenden Prozedur unterziehen: In dem Land im Nahen Osten können Bräute per Gerichtsbeschluss zu Jungfräulichkeitstests gezwungen werden. Menschenrechtler prangern diese entwürdigende Praxis nun an. Sie verstoße gegen eine ganze Reihe von Menschenrechten.

Es ist ein kleiner, fensterloser Raum im Gerichtsmedizinischen Institut von Bagdad. Zwischen blau gekachelten Wänden steht ein schwarzer Behandlungstisch. Hier werden mehrere Frauen täglich auf ihre Jungfräulichkeit untersucht - im Nahen Osten oft eine Frage auf Leben und Tod. Ein solcher Test kann im Irak gerichtlich angeordnet werden, wenn ein Mann behauptet, seine Braut sei bei der Eheschließung keine Jungfrau mehr gewesen. Zwar fallen die meisten Tests zugunsten der Frauen aus, doch Menschenrechtler kritisieren die Praxis als demütigend, schmerzhaft und unsinnig.

"Die meisten Fälle erreichen uns am Tag nach der Hochzeit", sagt Chefarzt Mundschid al-Resali. "Es geht übers Gericht, die Familie bringt sie hierher, und wir untersuchen sie." Drei Ärzte, darunter eine Frau, kontrollieren das Jungfernhäutchen in einer 15- bis 30-minütigen Untersuchung. Die Testergebnisse schickt die Gerichtsmedizin direkt an das Gericht, das den Test angeordnet hat.

Tests wenn "in der Hochzeitsnacht kein Blut fließt"

Al-Resali betont, dass auch Männer etwa auf Impotenz untersucht werden könnten, wenn sie vorgeben, ihre Frau sei nicht als Jungfrau in die Ehe gegangen - um die Schmach eigener Erektionsstörungen zu verschleiern.

Viele Männer gingen davon aus, dass die Frau keine Jungfrau mehr ist, "wenn in der Hochzeitsnacht kein Blut fließt", sagt der mit den Tests befasste Arzt Sami Dawood. Dieser Glaube zeuge jedoch von "sehr wenig" Wissen über Sexualität. Früher seien nicht selten Frauen getötet worden, wenn nach der Hochzeitsnacht kein Blut auf dem Laken zu sehen war, betont Dawood. Heute würden zumindest Tests angeordnet. Die meisten fielen "zugunsten der Frau aus, nicht gegen sie, aber der Test selbst ist beschämend".

Deutet das Testergebnis auf vorehelichen Sex hin, so sei die Braut durch kein Gesetz mehr geschützt, kritisiert der Anwalt Ali Awad Kurdi. Die Familie der Frau müsse den Bräutigam dann entschädigen - für Geschenke, Geld und andere Ausgaben im Zusammenhang mit der Beziehung. Vertreter der irakischen Justizbehörden wollten sich auf Anfrage nicht zu dem Thema äußern.

Scharfe Kritik von Amnesty International

Marianne Mollmann von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International verurteilt die Untersuchungen aufs Schärfste. Die Jungfräulichkeitstests verletzten "eine ganze Reihe von Menschenrechten" und seien nicht zu rechtfertigen - egal ob sie erzwungen oder durch Gerichtsbeschlüsse legalisiert seien. Jungfräulichkeitstest seien nur wenig aussagekräftig, "weil das Jungfernhäutchen aus vielen Gründen reißen kann", sagt Mollmann.

Liesl Gerntholtz von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch fordert, dass die Ergebnisse der Tests nicht mehr vor Gericht verwendet werden dürfen: "Die irakische Regierung sollte dringend Maßnahmen ergreifen, damit Frauen und Mädchen nicht zu körperlichen Untersuchungen gezwungen werden, die ihnen Angst machen, erniedrigend und schmerzhaft sind."

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