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Jean-Luc Mélenchon: "Der Chavez aus Frankreich"

Jean-Luc Mélenchon. Foto: Reuters
Jean-Luc Mélenchon schlägt mit der Faust auf das Rednerpult. "Nicht unser revolutionäres Programm ist gefährlich", ruft er seinen Anhängern mit den wehenden Fahnen zu. "Es sind die Firmenbosse, die die Gesundheit von uns allen ruinieren, weil wir jeden Morgen Angst haben, unseren Job zu verlieren!" Tosender Beifall. Mélenchon, der Shooting-Star des französischen Wahlkampfs, hält an diesem Dienstagabend in der kleinen zentralfranzösischen Industriestadt Vierzon eine seiner Brandreden. Und die Menschen liegen dem Kandidaten der "Radikal-Linken Partei" zu tausenden zu Füßen, sie singen einstimmig die französische Nationalhymne und scheinen schließlich alle beseelt vom revolutionären Gedankengut Mélenchons nach Hause zu wanken.
Mélenchons Auftritt in Vierzon war der Auftakt für große Kundgebungen, die alle Kandidaten traditionell in den kommenden beiden Wochen vor der Wahl halten werden. Sie gelten als ein letztes Stimmungsbarometer vor dem ersten Urnengang am 22. April. Aber schon in den vergangenen Wochen haben die Franzosen bewiesen, dass sich ihre Stimmung nur schwer voraussehen lässt. Es ist Mélenchon, der ehemalige Sozialist und Bildungsminister, der derzeit die Franzosen auf die Straße bringt.
Erweckung der Linken in Frankreich
Zehntausende Menschen kamen zu seiner Kundgebung auf dem Platz der Bastille in Paris - eine Art Erweckung der Linken in Frankreich, die früher sehr viel stärker als in anderen europäischen Ländern waren. Selbst konservative Medien und Fernsehshows laden Mélenchon gerne zu sich ein, weil er so unterhaltsam ist und die Einschaltquoten steigern kann. Er sei der "Chavez von Frankreich", titelte die ansonsten so regierungsnahe Tageszeitung "Le Figaro" kürzlich in Anspielung an den venezolanischen Präsidenten.
Mélenchon ist der unbestrittene Star des Wahlkampfs, die große Überraschung. Vor wenigen Monaten wurde er noch in einem Atemzug mit zahlreichen aussichtslosen Kandidaten in Frankreich genannt, mit so Unbekannten wie der Tierschutzpartei, der Jagdschutzpartei oder der Senioren-Vereinigung. Heute fürchten ihn die Gegner. Auch wenn er weiterhin mehr als zehn Prozentpunkte von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und seinem Herausforderer Francois Hollande entfernt ist, hat er doch die politische Agenda aufgewirbelt.
Mélenchon treibt Hollande vor sich her
Seine Vorträge müssen in größere Säle mit tausenden Plätzen umgebucht werden, seine Programmhefte sind vergriffen, die Logen für Journalisten überfüllt. Auch inhaltlich hat Mélenchon mit seinen kraftmeiernden Reden den aussichtsreichen Sozialisten Francois Hollande beeinflusst. So wie Nicolas Sarkozy inzwischen die stramm rechten Wähler der Front National einfangen will, scheint Hollande immer einen Schritt hinter Mélenchon zu sein. Hollande will Jahreseinkommen von mehr als einer Millionen Euro mit 75 Prozent besteuern? Mélenchon fordert direkt 100 Prozent auf einem Gehalt von mehr als 350.000 Euro - niemand, weder Manager, Fußballstars noch Schauspieler könnten dann gesetzlich mehr als das Zwanzigfache des Mindestlohns verdienen. Hollande will den Mindestlohn "SMIC" leicht anheben? Mélenchon hat sich schon darauf festgelegt, den SMIC von knapp 1400 auf 1800 Euro monatlich zu erhöhen.
Mit dem Linksradikalen, wie sich Mélenchon selbst bezeichnet, kommen auch wieder die ur-sozialen Forderungen auf den Tisch, die Frankreich einst so prägten: Die Verteilung des Reichtums. "Wer nicht teilen will, muss dazu gezwungen werden", sagt Jean-Luc Mélenchon. Und tritt dabei so rigoros auf, wie es sich in Deutschland selbst die kommunistische Plattform der Linken nicht trauen würde.
Frankreich vor Wahl: Wer macht das Rennen?
Die Kandidaten im Überblick:
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