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5 April 2012 | Von MSN / DAPD

Francois Hollande: Ein Politiker aus der Provinz

Das Besondere an Francois Hollande ist seine Durchschnittlichkeit. Der aussichtsreiche Kandidat bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich wirkt mit seinen schütteren Haaren und seinen geselligen Witzen wie ein Typ von nebenan.


Francois Hollande. Foto: Reuters (© Francois Hollande. Foto: Reuters)

Häufig wird Hollande in deutschen Medien als langweilig beschrieben. Er hat nichts von dem ausschweifenden Liebesleben einiger anderer französischer Spitzenpolitiker und wirkt eher wie ein gemütlicher Onkel denn ein Alphatier.

Aber nach fünf Jahren Präsidentschaft von Nicolas Sarkozy verkörpert er möglicherweise genau den Typ, nach dem sich die Franzosen gerade sehnen: Er ist einer von ihnen, einer, der nicht in der glamourösen Hauptstadt Paris sondern in dem kleinen zentralfranzösischen Dorf Tulle seinen Wahlkreis hat. Bevor er zuletzt einige Kilo abnahm, war er ein rundlicher Typ, der die französische Küche lobte. Welch ein Gegensatz zu Sarkozy, der sich beim Joggen fotografieren ließ. "Irgendwann sind die Leute das Spektakel leid", sagt Henrik Uterwedde, Vize-Chef des deutsch-französischen Instituts in Ludwigsburg.

Einen normalen Job hat Hollande nie angenommen

Hollande erinnere ihn an den SPD-Politiker Olaf Scholz, der an die Spitze von Hamburg gewählt wurde. "Er ist ein durch und durch professioneller Politiker." Denn auch wenn Hollande sich gerne als einfacher Mann des Volkes präsentiert, hat er eine für Frankreich klassische Karriere gemacht: Er absolvierte in dem noblen Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine sein Abitur und ging auf die elitäre Hochschule ENA, an der viele erfolgreiche Zeitgenossen ebenfalls ihr Diplom machten.

Einen normalen Job hat Hollande nie angenommen - seit seinen Studienjahren übernahm er alle möglichen Posten in der sozialistischen Partei, angefangen vom Staatssekretär, über den Sprecher des Ministerpräsidenten Lionel Jospin und schließlich als Generalsekretär. Er galt immer als zuverlässiger Parteisoldat, aber eigentlich nie als der geborene Kandidat. So hat Hollande seine jetzige Kandidatur eigentlich nur dem Zufall der Geschichte zu verdanken.

Kaum Schaden für Partei durch Strauss-Kahn-Affäre

Die Sozialisten verloren im Sommer nach den Vergewaltigungsvorwürfen gegen den früheren IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn (DSK) ihren aussichtsreichsten Kandidaten. Der Skandal um Strauss-Kahn wirbelte das gesamte politische Programm durcheinander. Erstaunlicherweise haben die Sozialisten kaum darunter gelitten. Sie beherrschten wochenlang mit ihren "Primaries" die Medien. Rund zwei Millionen Franzosen beteiligten sich an der Personen-Kür und wählten Francois Hollande mit großem Abstand zu ihrem Spitzenkandidaten - und hatten dabei wohl eine gute Wahl getroffen. Der Politiker aus der Provinz führt seit Monaten in den Umfragen vor Sarkozy.

Hollande hat ein vergleichsweise radikales Programm vorgelegt. Weil das Nachbarland sehr viel mehr als Deutschland in ein rechtes und ein linkes Lager gespalten ist, präsentiert Hollande ein Programm, das weit links von der deutschen SPD liegt. So will er Einkommen von mehr als einer Millionen Euro mit 75 Prozent besteuern, er will 60.000 Lehrer zusätzlich einstellen und den Strompreis für Geringverdiener senken. Außerdem sollen noch bis Jahresende alle französischen Soldaten aus Afghanistan abgezogen werden. Für Deutschland entscheidend wird seine Europapolitik sein: Hollande hat angekündigt, den Fiskalpakt neu verhandeln zu wollen. "Die Pflicht zur Gerechtigkeit ist das einzige Kriterium, an dem ich gemessen werden will", sagt Hollande gerne.

Siegesfeier soll in kleinem Dorf stattfinden

Typisch für seine Karriere möchte er den Abend des ersten Wahlgangs am 22. April in seinem Wahlkreis Tulle verbringen. Sich immer an der Basis zu zeigen hatte er einst von seinem großen Mentor, dem letzten französischen Präsidenten der Sozialisten, Francois Mitterand, gelernt. Schließlich garantiert ihm das gemütliche bäuerliche Dorf in der Direktwahl einen Platz in der Nationalversammlung.

Aber Hollande will mit dem Wahlabend in Tulle auch noch ein Zeichen setzen: Er, so die Botschaft, werde nicht wie einst Sarkozy in Pariser Luxusrestaurants mit Champagner seinen möglichen Wahlsieg feiern. Er wird bei deftigem Schweinebauch und schwerem Rotwein den Abend begehen. Hollande hat über Jahrzehnte gelernt, Symbole für sich zu nutzen. Gut möglich, dass der kommende französische Präsident in einer rustikalen Gaststube feiert.

Frankreich vor Wahl: Wer macht das Rennen?

Die Kandidaten im Überblick:

MSN-Quiz: Kennen Sie Frankreich?


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