Ecuador entscheidet über Asylantrag von Assange
Ecuador habe von Großbritannien die "offene Drohung" erhalten, dass die Botschaft gestürmt werden könnte, sollte Ecuador Assange nicht den britischen Behörden übergeben, sagte Patiño. Ein Eindringen in die Botschaft wäre ein "unverhohlener Verstoß" gegen die Wiener Konvention zu diplomatischen Missionen. Wikileaks verurteilte die Drohung als "unangemessen" und sprach von einem "beispiellosen Angriff auf die Rechte von Asylsuchenden".
Assange hatte sich im Juni in die Londoner Botschaft Ecuadors geflüchtet, um einer Auslieferung nach Schweden zu entgehen. Dort werden ihm Sexualdelikte zur Last gelegt. Der Australier fürchtet aber, letztlich an die USA ausgeliefert und dort wegen der brisanten Enthüllungen von Wikileaks juristische verfolgt zu werden. Die Internetplattform hatte unter anderem hunderttausende vertrauliche US-Depeschen veröffentlicht und sich damit den Zorn Washingtons zugezogen.
Das britische Außenministerium bekräftigte in der Nacht zum Donnerstag, den Wikileaks-Gründer nach Schweden ausliefern zu wollen. Großbritannien habe dazu die "rechtliche Pflicht" und sei entschlossen, diese auch zu erfüllen, sagte ein Sprecher. Ein Eindringen in die ecuadorianische Botschaft könnte London mit einem Gesetz aus dem Jahr 1987 rechtfertigen, das die Aufhebung der Immunität für diplomatische Gebäude auf britischem Boden ermöglicht.
Assanges Mutter Christine reagierte am Donnerstag erbost auf die britische Drohung, in die Botschaft einzudringen und ihren Sohn festzunehmen. Sie warf London vor, auf Geheiß Washingtons zu handeln. "Was die USA wollen, bekommen die USA von ihren Verbündeten, unabhängig davon, ob es legal ist oder ethisch zu vertreten oder ein Verstoß gegen Rechte", sagte sie vor australischen Journalisten.
Über das soziale Internet-Netzwerk Twitter wurde bereits zu einer Demonstration vor der ecuadorianischen Botschaft in London aufgerufen. In dem Gebäude soll sich inzwischen eine Sprecherin von Wikileaks, Sarah Harrison, aufhalten. An der Botschaft waren am Mittwochabend rund ein Dutzend Polizisten postiert, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete.
Die britische Zeitung "The Guardian" hatte am Dienstag unter Berufung auf Vertreter der Regierung in Quito berichtet, dass Ecuador dem Asylantrag Assanges stattgeben wolle. Allerdings ist unklar, ob der Australier in diesem Fall überhaupt dorthin ausreisen kann. Großbritannien hat angekündigt, ihn beim Verlassen des Botschaftsgebäudes wegen Verstoßes gegen seine Bewährungsauflagen festzunehmen.
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