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Ganz Erfurt muss abkochen: Coli-Bakterien im Trinkwasser

dapd
Weil es am Dienstag weitere Verdachtsfälle außerhalb Thüringens Landeshauptstadt gab, wurde der Chloranteil im Leitungswasser für insgesamt 500.000 Verbraucher auf den maximal zulässigen Wert erhöht. Krankheitsfälle durch die Darmkeime gebe es bislang keine, heißt es aus den Krankenhäusern. Tatsächlich seien die Bakterien nur Indikator für eine Verunreinigung und für gesunde Menschen eigentlich ungefährlich, sagt Claudia Höpner, Krankenhaushygienikerin am Helios-Klinikum Erfurt am Mittwoch. Sie kommen millionenfach im Darm eines jeden Säugetiers vor, "im Trinkwasser haben sie dennoch nichts zu suchen."
Als die Wasserbetriebe über die Verunreinigung informierten, brachen die extra eingerichteten Notruf-Nummern bald zusammen. Auch die Webseite war zeitweise nicht zu erreichen. "Mehr als 1.000 Leute haben sofort angerufen, viele wollten wissen, ob sie betroffen sind", sagt Andreas Reinhardt, Geschäftsführer von ThüringenWasser, in dessen Bereich die Keime auftraten.
In der betroffenen Region werden täglich etwa 35 Millionen Liter Wasser verbraucht. Hamsterkäufe von Mineralwasser habe es bisher trotzdem nicht gegeben, berichten die Sprecher von Supermärkten. Allerdings sei die Nachfrage rapide gestiegen, sagt ein Mitarbeiter eines Lebensmittelhandels. Aus allen Märkten heißt es, dass am Dienstag und am Mittwoch extra Rationen Mineralwasser bestellt wurden. Engpässe gibt es laut Einzelhandelsverband jedoch nicht.
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Hotels und Gaststätten haben mit dem Abkochgebot zu kämpfen. Sie können haftbar gemacht werden, wenn sie unabgekochtes Wasser verwenden, sagt eine Sprecherin des Hotel und Gaststättenverbandes. Der Direktor des Intercityhotels, Jürgen Kramer, sagt, dass alle Gäste erst einmal kostenlos Mineralwasser zum Zähneputzen erhalten hätten. In einigen Cafés der Landeshauptstadt werden unterdessen keine Heißgetränke mehr serviert. Die großen Kaffeemaschinen sind oft direkt an das Leitungswasser angeschlossen. Manche schütten nun abgekochtes Wasser in die Maschinen.
In Kindertagesstätten und Seniorenheimen behelfe man sich nach den entsprechenden Behördenempfehlungen damit, das Wasser abzukochen. "Wir kochen wie die Weltmeister", sagt ein Sprecher der Caritas. In den Kliniken wurden bereits am Montagnachmittag Vorkehrungen getroffen. Hier sind jedoch meist bereits spezielle Filter eingesetzt, wie eine Sprecherin des größten Krankenhauses der Stadt sagt. Trotzdem bestellten sie sicherheitshalber mehr Wasser.
Derweil grübeln die Versorger über die Ursachen der Verunreinigung. Fieberhaft suchen Experten rund um die Uhr nach der Quelle. Viele Proben fielen abwechselnd positiv oder negativ aus. "Wir stehen vor einem Rätsel", sagt der Biologe eines Wasserversorgers, Hartmut Willmitzer. Bis Donnerstagabend sollte das Abkochgebot zunächst gelten. Inzwischen heißt es "bis auf Widerruf".
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