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26 Juli 2012 | Von MSN/Manuela Gotthartsleitner-Wagner

Deutschlands neues Super-Gefängnis

In Deutschlands neu eröffnetem Super-Gefängnis, der JVA Düsseldorf, finden bis zu 850 Häftlinge Platz. Die Unterbringung erfolgt in Einzelzellen, doch mit verschiedenen Maßnahmen kommt man den Gefangenen auch entgegen.


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Das neue JVA-Gebäude, Bild: dapd

Direkt an der Stadtgrenze zu Düsseldorf in Ratingen hat der Neubau der JVA Düsseldorf im Februar 2012 seine Tore geöffnet - oder vielmehr geschlossen. Das Land Nordrhein-Westfalen hat sich den Super-Knast einiges kosten lassen: Mit 190 Millionen Euro ist die JVA die größte Investition in den Strafvollzug seit über 50 Jahren. Der große Gefängniskomplex ist für 850 Häftlinge ausgelegt und ersetzt drei Haftanstalten: Die ehemalige Ulmer Höh' in Düsseldorf, die seit 1893 in Betrieb war, sowie die Justizvollzugsanstalten in Duisburg und Oberhausen.

Das Areal besteht aus über 125.000 Quadratmeter Gesamtfläche. Abgesehen von wenigen Gemeinschaftszellen werden die Gefangenen überwiegend in Einzelzellen untergebracht. Jedem Häftling stehen dabei 10,5 Quadratmeter zur Verfügung. Auch für Freizeitgestaltung wurde bei dem Neubau gesorgt: Im Außenbereich befindet sich ein Fußballfeld mit Kunstrasen, innen gibt es eine Sporthalle. Ein Freizeitzentrum bietet Raum für kulturelle Veranstaltungen. Um religiösen Bedürnissen nachzukommen, gibt es eine Kapelle und einen so genannten multireligiösen Raum.

Unterstützung für die Häftlinge

Die Häftlinge sollen im Knast nicht nur ihre Strafen absitzen, sondern auch Unterstützung für ihr Leben außerhalb des Gefängnisses erhalten. Dazu steht ein Team von Aufsichtsbeamten, Sozialarbeitern und Psychologen den Häftlingen beratend zur Seite. Darüber hinaus halten Sozialarbeiter den Kontakt zu Familienangehörigen, unterstützen den Inhaftierten bei der Schuldenregulierung und führen das soziale Training durch. Psychologen helfen bei Krisen und fertigen unter anderem Gutachten zur Entscheidung über Vollzugslockerung an.

Wer einen Inhaftierten besuchen will, muss umfangreiche Auflagen erfüllen. So ist die Besuchszeit generell auf eine Stunde begrenzt. Maximal vier Personen, dazu zählen auch Kinder, dürfen beim Besuch anwesend sein. Wer in Untersuchungshaft sitzt, darf zwei Mal pro Monat Besuch empfangen, bei Strafgefangenen sind es drei Besuche im Monat. Vor dem Zutritt gibt es umfassende Sicherheitskontrollen. Nur, wer einen gültigen Personalausweis vorlegt, darf die Anstalt betreten. Dabei gilt: Privatbesucher müssen sich mindestens eine viertel Stunde vor dem Termin bei der Außenpforte melden. Wer zu spät kommt, hat Pech: Er wird nicht reingelassen.

Keine Geschenke ohne Genehmigung

Auch Mitbringsel und Geschenke werden streng kontrolliert: Ohne vorherige Genehmigung darf nichts übergeben werden. Jeder Gefangene darf 40 Euro in bar erhalten, um sich Zigaretten, Süßigkeiten oder Getränke zu kaufen. Selbst beim Kauf werden die Inhaftierten von einem JVA-Bediensten überwacht. Wenn ein Besuch etwas unerlaubt übergibt, wird es ernst: Das Treffen wird beendet, und es droht sogar ein Ordnungs- oder Strafverfahren eingeleitet.

Anders als in der JVA in Ratingen geht es in dem Übergangshaus in Düsseldorf-Gerresheim verhältnismäßig locker zu. Hier handelt es sich um eine Einrichtung des offenen Vollzugs mit maximal 34 Inhaftierten. Im Gegensatz zum geschlossenen Vollzug können die Inhaftierten außerhalb der Justizvollzugsanstalt einer Arbeit, Ausbildung oder Weiterbildung nachgehen. An Wochenenden besteht für sie zusätzlich die Möglichkeit auf Ausgang oder Urlaub. Für Unterkunft und Verpflegung zahlt der Inhaftierte einen kleinen Beitrag, den Rest des Geldes darf er ausgeben. Die Mitarbeiter stehen dem Inhaftierten zur Seite: So helfen sie unter anderem bei der Arbeitsplatzsuche oder der Schuldenregulierung und halten auch Kontakt zum Arbeitgeber.

"Prominente" unter den Häftlingen

Von 1893 bis zum Februar 2012 befand sich das Gefängnis in Düsseldorf-Derendorf. In der Umgangssprache wurde der alte Standort aufgrund der Postadresse Ulmenstraße 95 und der leicht erhöhten Lage als "Ulmer Höh'" oder auch kurz als "die Ulm" bezeichnet. Dort saß zum Beispiel auch der RAF-Terrorist Andreas Baader ein. Der Schauspieler Martin Semmelrogge machte mit der "Ulmer Höh'" wegen Fahrens ohne Führerschein Bekanntschaft. Anfang des Jahres wurde das Gefängnis geschlossen und die Gefangenen in den Neubau verlegt.


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