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8 August 2012 | Von AFP, DPA

Neuseelands Vulkane erwachen

Die überraschende Eruption des Vulkans Tongariro in Neuseeland hat mindestens drei neue Öffnungen in den Berg gerissen. Daraus stiegen am Mittwoch Dampfwolken auf, berichteten Vulkanologen. Darüber hinaus haben Seismologen die Aktivität eines weiteren Vulkans vor der Küste gemeldet.


Einen Tag nach dem Ausbruch des Mount Tongariro auf der Nordinsel Neuseelands haben Seismologen die Aktivität eines weiteren Vulkans gemeldet. Eine Kamera am Kraterrand der Vulkaninsel White Island sei am Mittwochmorgen mit Schlamm und Asche verschmiert gewesen, teilte die neuseeländische Vulkanwarte GNS mit. Dies sei ein Hinweis, dass es "eine Art Aufstoßen gegeben haben muss", sagte der Vulkanologe Craig Miller. White Island liegt nordwestlich vor der Nordinsel Neuseelands. "Die Kraterrandkamera war heute morgen mit Schlamm und Asche bespritzt, da hat es also offenbar auch einen Rülpser gegeben", schrieb Miller auf der Webseite des Instituts. "Die Wolke über dem Kratersee war dunkler, womöglich, weil mehr Asche darin ist."

Am Montagabend war im Zentrum der Nordinsel bereits der Vulkan Mount Tongariro ausgebrochen, der mit einer über 6.000 Meter hohen Aschewolke bis zum Dienstagnachmittag für Behinderungen bei Inlandsflügen sorgte. Außerdem mussten wegen schlechter Sicht zweitweise Straßen gesperrt werden. Am Dienstagmorgen lag über der 250 Kilometer entfernten Hauptstadt Wellington ein starker Schwefelgeruch. Bewohnerin Carole Burke berichtete, es habe gerochen "wie Abwasser, wirklich unangenehm".

Heiße Geröllbrocken mit bis zu einem Meter Durchmesser in die Luft geschleudert

Das Institut für Geo- und Nuklearwissenschaft nutzte eine Wetteraufhellung am Morgen für einen Überflug. "Man konnte aktive Dampflöcher an einem neuen Krater unterhalb des höheren Te-Mari-Kraters sehen", berichtete Vulkanologe Michael Rosenberg später auf der Website. "Die seismische Aktivität war niedrig, aber das sagt nichts über Prognose weiterer Eruptionen aus."

Bei dem Ausbruch in der Nacht zu Dienstag waren heiße Geröllbrocken mit bis zu einem Meter Durchmesser in die Luft geschleudert worden. Dabei handelte es sich um alte Lavabrocken, die beim Aufprall kleine Krater hinterließen, berichtete Rosenberg. Sie flogen bis zu zwei Kilometer weit. Einer davon beschädigte eine leere Wanderhütte. In der Umgebung ging ein Ascheregen nieder. "Die Eruption hat keinen Schlammstrom ausgelöst", sagte Rosenberg. Die Aschewolke war 375 Quadratkilometer groß und behinderte den Flugverkehr. Rosenberg beobachtete auch Gesteinsbrocken, die sich außerhalb des Kraters gelöst hatten. "Das ist ein Zeichen, dass der Boden bei dem Ausbruch heftig gebebt hat."

Die Vulkane galten bislang als ruhig

Das Tongariro-Vulkangebirge ist vermutlich seit 300.000 Jahren aktiv, sagte Rosenberg. Bei mindestens fünf Kratern entlang einer 7,5 Kilometer langen Nord-Süd/Südwest- Linie seien historisch Ausbrüche belegt. Aus dem Te-Mari-Krater im äußersten Norden wurde zuletzt 1897 Asche und Geröll geschleudert. Aus einem anderen Krater soll 1926 Asche aufgestiegen sein, doch seien die Angaben nie bestätigt worden. Womöglich kam die Wolke aus dem Ngauruhoe-Krater weiter im Süden. Er liegt auch im Tongariro-Massiv, gilt aber als eigener Vulkan, weil er sich aus einem separaten Magma-Reservoir speist. Er war in den 70er Jahren aktiv.

Das Gebiet um den Mount Tongariro diente im Finale der Filmreihe "Herr der Ringe" als Kulisse für den Schicksalsberg. Die Behörden entdeckten nach der Eruption des Vulkans drei neue Dampflöcher im Krater. Sie wiesen darauf hin, dass der Mount Tongariro jederzeit ohne Vorwarnung ausbrechen könne. Neuseeland liegt auf dem so genannten Pazifischen Feuerring - an ihm stoßen gleich mehrere Kontinentalplatten aneinander, deshalb kommt es dort besonders häufig zu Erdbeben und Vulkanausbrüchen.

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