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13 Oktober 2013 | Von AFP, DPA, bearbeitet von Friederike Albrecht

Limburger Bischof im Billig-Flieger zum Papst

Der Druck auf den Limburger Bischof Tebartz-van Elst nimmt weiter zu. Jahrelang sollen Baukosten unter seiner Verantwortung verschleiert worden sein. Zudem steigen die Gesamtkosten für die Umbauten am Bischofssitz noch einmal deutlich. Jetzt soll der Papst über die Zukunft des Bischofs entscheiden.


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Papst Franziskus soll über seine Zukunft entscheiden: Am Sonntag (13. Oktober) flog Bischof Tebartz-van Elst nach Rom - laut Medienberichten in einem Billig-Flieger.

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Angesichts des massiven öffentlichen Drucks wegen seiner Amtsführung ist der umstrittene Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst nach Rom gereist. Am Samstagnachmittag hatte Bistumssprecher Martin Wind noch gesagt, Tebartz-van Elst werde "im Laufe der Woche" fliegen. Damit lege der Bischof seine Zukunft im Bistum Limburg in die Hände von Papst Franziskus. Am Sonntagmittag hieß es dann, Tebartz-van Elst sei bereits im Vatikan. Nach Zeitungsberichten wollte er beim Papst dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, zuvorkommen, der am Montag nach Rom fliegt. Zollitsch hatte sich vorige Woche von Tebartz-van Elst klar distanziert.

Tebartz-van Elst flog am Sonntag laut übereinstimmenden Medienberichten mit der Billig-Airline Ryanair nach Rom: Mehrere Zeugen sollen den Geistlichen am Sonntagmorgen am Hunsrückflughafen Hahn gesehen haben. Der Bischof steht nicht nur wegen seiner teuren Residenz, sondern auch wegen eines Erste-Klasse-Fluges nach Indien in der Kritik. Aussagen zu diesem Flug hatten für einen Rechtsstreit gesorgt - die Hamburger Staatsanwaltschaft beantragte am Donnerstag gegen Tebartz-van Elst einen Strafbefehl wegen falscher Versicherung an Eides Statt. Das Bistum selbst nannte am Sonntag keine Details zur Rom-Reise des Bischofs.

Hauptkritikpunkt bleibt aber, dass die Kosten für den Bau des Bischofssitzes von ursprünglich veranschlagten 5,5 Millionen Euro auf mindestens 31 Millionen Euro angestiegen sind, wobei Meidienberichten zufolge auch diese Summe nicht reichen könnte. Die Staatsanwaltschaft Limburg prüft deshalb Vorwürfe der Untreue.

40 Millionen Euro für Bischofssitz ?

Unterdessen berichtet die "Welt am Sonntag", die Gesamkosten am Limburger Bischofssitz könnten auf bis zu 40 Millionen Euro steigen. Die Limburger Stadtverwaltung rechne zusätzlich zu den veranschlagten 31 Millionen Euro für den Bischofssitz mit Folgekosten in Millionenhöhe, wegen Schäden in der direkten Umgebung der Residenz, die durch die Baumaßnahmen entstanden sind. Bistumssprecher Martin Wind bestätigte der Zeitung, dass solche Kosten auf den Bischöflichen Stuhl zukommen. «Diese Rechnungen werden dann selbstverständlich beglichen.»

Konkret handelt es sich laut "Welt am Sonntag" um erhebliche Straßenschäden sowie Beschädigungen an Häuserfassaden auf der Zufahrt zum Domberg. Zudem prüfe das Limburger Bauamt derzeit, wie sehr die unter den Zufahrten liegende Kanalisation, Gasleitungen und Kabel in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der Bistumssprecher machte zur Höhe der Gesamtkosten keine Angaben und verwies auf die Prüfung des Bauamts.

Marius Hahn, Mitglied der Limburger Diözesanversammlung und des Bezirkssynodalrats, rechnet mit drastischen Kostensteigerungen. "Ich gehe von umfangreichen Schäden aus, die totgeschwiegen werden. Es herrscht keine Offenheit. Ich gehe davon aus, dass das Gesamtprojekt am Ende 40 Millionen Euro verschlungen hat", sagte Hahn der Zeitung. Pfarrer i.R. Hubertus Janssen, früher Sprecher der katholischen Basisbewegung "Wir sind Kirche", sagte: "Aufgrund der gemachten Erfahrungen sagt mir nicht nur mein Bauchgefühl, dass sich die Gesamtkosten am Ende auf 40 Millionen Euro belaufen werden. Und dann flippt die Bevölkerung aus.".

Bericht: Verschleierung der Baukosten

Zudem sollen unter der Ägide des Bischofs nach Zeitungsangaben über Jahre hinweg die Baukosten für dessen Amtssitz auf dem Domberg verschleiert worden. Die Aufsichtsinstanzen des Vatikans und des Vermögensverwaltungsrats des Bistums seien damit systematisch unterlaufen worden, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Der mit Rücktrittsforderungen konfrontierte Bischof steht wegen der Affäre um die Kostenexplosion beim Bau seiner Residenz unter Druck und will nach eigenen Angaben nun Papst Franziskus über seinen Amtsverbleib entscheiden lassen.

Nach Informationen der "FAS" war dem neu gegründeten Vermögensverwaltungsrat im Sommer 2011 ein Kostenvolumen in Höhe von 17 Millionen Euro für Um- und Neubauten auf dem Limburger Domberg vorgelegt worden. Diese Summe sei in zehn Einzelprojekte gestückelt gewesen, die demnach allesamt unter der Grenze von fünf Millionen Euro lagen, ab der Bauvorhaben dem Vatikan zwingend angezeigt werden müssen.

Ein Jahr später soll der Vermögensverwaltungsrat dann eine Zwischenfinanzierung in Höhe von 15,7 Millionen Euro genehmigt haben. Der Kredit sei bei der Deutschen Bank aufgenommen worden und habe erstmals zu einem Konflikt zwischen dem Bischof und dem Rat geführt, heißt es in dem Zeitungsbericht weiter. Tebartz-van Elst habe gegen den Rat des Gremiums verlangt, dass die Kosten niemals öffentlich werden dürften. Da die Buchführung an die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ausgelagert worden sei, hätten nur der Dombaumeister und der Architekt Rechnungen und Belege zu sehen bekommen.

Bischof will im Vatikan Situation darstellen

"Der Bischof ist betroffen über die Eskalation der aktuellen Diskussion. Er sieht und bedauert, dass viele Gläubige im Bistum und darüber hinaus unter der gegenwärtigen Situation leiden", hieß es in einem Schreiben des Bistums vom Samstag. Der Bischof wolle im Vatikan die Situation im Bistum darstellen. "Daraus wird eine Entscheidung entstehen", betonte der Sprecher. Ein Bischof der römisch-katholischen Kirche kann nicht selbst zurücktreten, laut Kirchenrecht dem Papst aber seinen Amtsverzicht anbieten.

 

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