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Erstellt am: 20 September 2013 | Von AFP, bearbeitet von Andreas Reimann

Verlassene Orte: Verfall und Wildwuchs im Berliner Spreepark

Das Riesenrad steht still, das Katzenmaul am Tunneleingang steht zwar noch immer meterweit offen, doch keine Achterbahn donnert mehr hindurch, der Parksee veralgt: Die Fahrgeschäfte im Spreepark in Berlin-Treptow rosten vor sich hin. Verfall und Wildwuchs beherrschen seit seiner Schließung vor über zehn Jahren den einstigen Vergnügungspark im Plänterwald. Seitdem hat sich der Park zum Touristenmagnet entwickelt - wider Willen: Der Spreepark ist zu einem Hotspot unter den Berliner "lost places" geworden.


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Ob Riesenrad, Achterbahn oder bunte Karussells: Der Spreepark in Berlin-Treptow wartet auf seine Wiederbelebung. Eine Mischung aus Verfall und Wildwuchs ist das Einzige, was von dem Vergnügungsparks noch übrig ist. Der Spreepark hat sich seit der Schließung zu einem Touristenmagnet entwickelt: Weniger wegen der Fahrgeschäfte, sondern mehr wegen seiner Eigenschaft als "lost place", als "verlassener Ort".

Berlin (afp/msn/ar) - Wer durch das weiße Eisentor in den Spreepark tritt, wird von einem freundlich dreinblickenden Mammut mit angerostetem Rüssel begrüßt. Es steht auf Betonplatten, die an die einstigen Grenzübergänge zwischen West- und Ostberlin zu Mauerzeiten erinnern. Der Spreepark, 1969 als "VEB Kulturpark Berlin" gegründet, hat viel Geschichte hinter sich. Jetzt wartet er schon lange auf seine Zukunft, seit 2001 ist der Park ohne Betreiber. Die Besucher kommen trotzdem.

Bis zu 500 Besucher trotz Schließung: Die Faszination des Verfalls

"Unglaublich, was hier alles rumsteht", sagt Douglas Fitzpatrick aus den USA. Er sitzt gemeinsam mit Freunden in einem weißen Plastikschwan, der im Gartencafé des Spreeparks gestrandet ist. Die Studenten gucken sich fasziniert um: Eine Mischung aus Verfall und Wildwuchs umgibt sie. Zwischen Bäumen ragt ein stillgelegtes Riesenrad hervor, alte Hinweistafeln zeugen von einer belebten Vergangenheit.

Bis zu 500 Besucher kommen zu dem Areal, das nur am Wochenende zugänglich ist, wie Sabrina Witte erzählt. Sie ist Gastronomin und bietet auf dem Gelände Führungen an. "Sie wollen den Park so genießen, wie er ist", sagt sie. Der Park sei als "lost place" (deutsch: verlassener Ort) in vielen ausländischen Berlin-Führern vermerkt.

"Seine Geschichte ist einzigartig", sagt Witte, die selbst eine ganz besondere Beziehung zu dem rund 30 Hektar großen Areal hat. Wittes Eltern, das Schausteller-Ehepaar Norbert und Pia Witte, kauften den Park nach der Wende. Es befindet sich im Berliner Stadtteil Treptow, unmittelbar an der Spree, wohin es die Berliner seit jeher in ihrer Freizeit zieht.

Norbert Witte, der Enkel des deutschen Jahrmarktkünstlers Otto Witte, hatte schon in den 1980er Jahren Schlagzeilen gemacht. Denn er war in den folgenschwersten Unfall verwickelt, der sich bisher auf einem deutschen Volksfest ereignete: Auf dem Festplatz "Hamburger Dom" in der Hansestadt kollidierte im August 1981 ein Karussell mit Wittes Loopingbahn. Sieben Menschen starben, 15 wurden zum Teil schwer verletzt.

Auch die Zeit der Familie Witte im Spreepark stand unter keinem guten Stern. Die Umgestaltung des Geländes und der Kauf neuer Karussells kosteten Millionen. Umweltschutzauflagen engten den Spielraum des Unternehmens ein, schließlich blieben die Besucher weg. Ständig gab es Streit mit dem Land Berlin, zuletzt über die Genehmigung von Parkplätzen, von denen es nach Auffassung der Betreiber längst nicht genug gab.

2001 meldeten die Betreiber Insolvenz an

Familie Witte machte sich mit Kindern und mehreren Fahrgeschäften auf den Weg nach Peru, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen. Doch auch hier warteten Schwierigkeiten. Die Karussells wurden über Monate vom Zoll nicht freigegeben.

Die Schwierigkeiten eskalierten 2003, als in einem von Wittes Fahrgeschäften, das per Schiff von Peru nach Holland transportiert werden sollte, rund 170 Kilogramm Kokain auftauchten. Witte wurde in Berlin festgenommen, wo er sich gerade am Herzen behandeln lassen wollte. Sein damals 22-jähriger Sohn Marcel wurde in Peru inhaftiert und bekam eine Strafe von 20 Jahren Gefängnis, die er derzeit absitzt. Norbert Witte wurde in Berlin zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Der Spreepark liegt seit der Insolvenz nun brach - und hat sich zur Touristenattraktion wider Willen entwickelt. Eine Versteigerung des Geländes wurde im Sommer gestoppt, als ein externer Interessent auftauchte, der drohte, den Senat zu überbieten. Denn das Land Berlin möchte grundsätzlich die Kontrolle behalten im Plänterwald: "Es geht uns darum, die Möglichkeit zu haben, die Zukunft des Geländes zu gestalten", sagte eine Sprecherin der zuständigen Finanzverwaltung.

Der Senat will sich jetzt vom Parlament die Erlaubnis holen, auch höher mitbieten zu dürfen. Wenn ein privater Investor den Spreepark mit dem laufenden Erbbaurecht übernähme, würde das Land nicht nur für die nächsten 48 Jahre auf eine Gestaltungsmöglichkeit verzichten, sondern aufgrund vertraglicher Vereinbarungen auch auf den Erbbauzins.

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